Hyperprolaktinämie


Als Hyperprolaktinämie bezeichnet man einen Überschuss des Hormons Prolaktin im Blut. Dieses Hormon sorgt in der Schwangerschaft für das Wachstum der Brust und spielt auch eine Rolle bei der Milchbildung in der Stillzeit. Während dieser Zeiten ist der Prolaktinspiegel erhöht und unterdrückt dadurch auch den Eisprung. Abgesehen von diesen natürlichen Schwankungen kann es bei Frauen und Männern jedoch auch zu einem krankhaften Anstieg der Prolaktinkonzentration im Blut kommen. Eine solche Hyperprolaktinämie kann verschiedene Ursachen haben. Bei Frauen führt sie oft zu Zyklusstörungen, zum Ausbleiben der Periode und zu einer milchartigen Absonderung aus der Brust. Bei Männern wächst das Drüsengewebe der Brust und die Libido sinkt. Letztendlich kann die Hyperprolaktinämie auch bei Männern zu Unfruchtbarkeit führen.

Symptome von Hyperprolaktinämie

Um eine Hyperprolaktinämie zu erkennen, ist es wichtig, dass die Patienten sich selbst gut beobachten und Veränderungen an ihrem Körper oder in ihrem Sexualverhalten beim Arzt zur Sprache bringen.

Typische Anzeichen bei Männern sind Potenzprobleme und verminderte Libido. Außerdem können eine Vergrößerung der Brustdrüsen sowie ein Rückgang der Schambehaarung und des Bartwuchses auftreten. Eine verminderte Spermienproduktion oder Zeugungsunfähigkeit sind nicht unbedingt vom Patienten selbst zu beobachten, könnten aber im Rahmen einer Fruchtbarkeitsuntersuchung erkannt werden.

Bei Frauen treten Zyklus- und Sexualstörungen auf. Außerdem kann es zu einer Milchproduktion der Brustdrüsen ohne Schwangerschaft kommen. Auf Grund der veränderten Hormonspiegel kann es auch zu einer Androgenisierung („Vermännlichung“) kommen, wobei der Haarwuchs zunimmt, die Stimme tiefer wird und die Haut durch eine vermehrte Talgproduktion zu Unreinheiten neigt. Eine eventuell eintretende Unfruchtbarkeit wird meist nicht von der Patientin selbst beobachtet, kann aber in einer Fruchtbarkeitsuntersuchung erkannt werden.

Arztsuche

Ursachen für einen Prolaktin-Überschuss

Es gibt viele verschiedene Ursachen, die zu einer Hyperprolaktinämie führen können. Prolaktin wird im Vorderlappen der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet. Entsteht in der Hypophyse ein gutartiger Tumor (Prolaktinom), kann es zu einer Überproduktion und vermehrten Ausschüttung des Hormons kommen. Häufig können auch Medikamente die Prolaktinproduktion erhöhen, da sie die Wirkung des Signalstoffes Dopamin beeinflussen, welcher als Prolaktinregulator wirkt. Dazu zählen bestimmte Neuroleptika, Antidepressiva, Östrogen, bestimmte blutdrucksenkende Mittel, Schmerzmittel mit morphinähnlichen Inhaltsstoffen und Medikamente gegen Krampfanfälle aus der Gruppe der Dopaminantagonisten.

In seltenen Fällen kann auch ein Unfall oder Sturz die Ursache der Hyperprolaktinämie sein, wenn dabei der Hypophysenstiel beschädigt oder abgerissen wird. Dann kann das Dopamin nicht mehr zur Hypophyse gelangen und die Prolaktinproduktion gerät durcheinander. Auch eine Schilddrüsenunterfunktion, Nierenunterfunktion oder Leberschwäche können Ursachen einer Hyperprolaktinämie sein.

Diagnose einer Hyperprolaktinämie

Wenn der Arzt im Patientengespräch den Verdacht bekommt, dass eine Hyperprolaktinämie vorliegen könnte, werden die Hormonwerte im Blut bestimmt. Sind die Prolaktinwerte erhöht, so richtet sich die Behandlung nach der Ursache dieser Erhöhung. Mit Hilfe einer Magnetresonanztomografie (MRT) kann geklärt werden, ob ein Tumor im Hypophysenvorderlappen oder eine Veränderungen des Hypophysenstiels vorliegt. Entsprechende Tests der Niere, Leber und Schilddrüse können eine Fehlfunktion in diesen Organen aufdecken. Medikamentöse Ursachen kann der Arzt anhand der Krankenakte des Patienten erkennen.

Hyperprolaktinämie behandeln

Um die Hyperprolaktinämie erfolgreich behandeln zu können, muss zunächst die Ursache gefunden werden. So kann die nachfolgende Therapie optimal auf die Krankheitsursache angepasst werden.

Ist die Hyperprolaktinämie bedingt durch bestimmte Medikamente, so sollte deren Dosierung reduziert oder ein Ersatzpräparat eingesetzt werden. Im Falle eines Prolaktinoms kommen Strahlentherapie, Medikamente oder ein operativer Eingriff in Frage.

Alle Methoden haben Vor- und Nachteile und es wird von Fall zu Fall entschieden, welche Herangehensweise am vorteilhaftesten ist. Größere Tumoren, die bereits auf den Sehnerv drücken, werden meist operativ entfernt, während kleinere Prolaktinome medikamentös behandelt oder bestrahlt werden.