Diabetes: Eine Konsequenz mangelnder Bildung?

Diabetes ist in sozialen Brennpunkten verbreiteter als in Städten mit einem hohen Einkommens- und Lebensstandard – zu diesem bestürzenden Ergebnis kommt eine neue Studie. Für die ambulante Versorgung dürfte aus dieser Erkenntnis erhebliche Veränderungen entstehen.

Stellen Sie sich vor, Ihr Arzt hat eine Zuckererkrankung bei Ihnen diagnostiziert. Sie sind privat krankenversichert, der Mediziner empfiehlt Ihnen bestimmte Medikamente, die genau auf Ihre Krankheit abgestimmt sind. In der ersten Zeit nach der Diagnose lernen Sie, wie Sie Ihren Blutzucker kontrollieren. Sie erfahren, welche Nahrungsmittel Sie essen sollten, um Ihre Blutwerte zu stabilisieren. So gelingt es Ihnen, Ihr gewohntes Leben so weit wie möglich unverändert aufrecht zu erhalten. Abgesehen von einigen Einschränkungen bleibt Ihre Lebensqualität auf einem hohen Niveau. Doch leider sieht die Wirklichkeit anders aus, wie ein Gutachten der Münchner Universität jetzt zeigt.

Ärztliche Versorgung geht am Bedarf vorbei

Die Untersuchung der Ludwig-Maximilian-Uni in München wurde bisher nicht veröffentlicht. Allerdings hat der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses bereits angekündigt, die Ergebnisse beim kommenden Diabetes-Branchentreff der Cognomed vorzustellen. Das wichtigste Resultat gibt Anlass zur Sorge: Es gibt offenbar einen direkten Zusammenhang zwischen der Bildung und dem Einkommen bestimmter Bevölkerungsgruppen und ihrer Versorgung bei Diabetes.

Mindestens ebenso schlimm ist, dass Menschen aus den unteren Einkommensschichten häufiger an Zucker erkranken – und dass die ärztliche Versorgung nicht an den Orten vorhanden ist, an denen sie nötig ist.

Gesundheit und Geld

Auswirkungen auf Bedarfsplanung erwartet

Das Gutachten soll Anfang des nächsten Jahres vorgestellt werden. Die Verantwortlichen der Universität sind der Meinung, dass die Ergebnisse erhebliche Auswirkungen auf die Richtlinien für die offizielle Bedarfsplanung haben.

Zur Vorbereitung wurde in Hamburg ein Projekt ins Leben gerufen. Es befasst sich damit herauszufinden, wie die medizinische Versorgung der Bevölkerungsgruppen mit einem geringen Einkommen verbessert werden kann. Bedenkt man, dass in Deutschland mehr als 6,7 Millionen Menschen an Zucker erkrankt sind und die große Mehrzahl an Diabetes Typ 2 leidet, wird deutlich, dass sich an der medizinischen Versorgung der Gruppen mit kleinem Einkommen etwas ändern muss. Gleichzeitig machen die Ärzte Hoffnung, dass sich Diabetes auch bei den Risikogruppen verhindern lässt.

Was also können Sie selbst dafür tun?

Vorsorge muss Teil des Schulunterrichts werden

Die Verantwortlichen der Studie legen nicht nur die Ergebnisse ihrer Untersuchung vor – sie unterbreiten auch einen Vorschlag, wie man das Risiko einer Diabeteserkrankung bei 042Jugendlichen verringern kann. Geht es nach ihnen, sollten junge Menschen in Zukunft in der Schule lernen, ihre Gesundheit zu schützen. Das Zauberwort lautet „Vermittlung von Gesundheitskompetenz“.

Außerdem soll an Grund- und Hauptschulen kein Sportunterricht mehr ausfallen, damit Kinder und Jugendliche in der Schule zur Bewegung angehalten werden. Denn wie bei vielen anderen Erkrankungen gilt auch bei Diabetes: Eine gesunde Lebensführung mit vernünftiger Ernährung und regelmäßigem Sport darf nicht vom Einkommen oder von der Bildung abhängen. Sie muss für jeden zugänglich sein!


von Die Redaktion. 28.12.2017


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